Vorteile und Risiken der Lungenkrebsbehandlung
Diese Leitlinie enthält Informationen der European Respiratory Society und der European Society of Thoracic Surgery darüber, wie Sie überprüfen können, welche Behandlungen für Menschen mit Lungenkrebs im Frühstadium am besten geeignet sind. Sie basiert auf einer längeren Version, die von einer Expertengruppe zu diesem Thema erstellt wurde, zu der auch medizinisches Fachpersonal sowie Menschen mit eigenen Erfahrungen mit Lungenerkrankungen gehörten.
Content Table
Einführung
Für wen ist dieses Dokument gedacht und worum geht es?
In diesem Dokument werden die Empfehlungen der klinischen Leitlinien zur Behandlung und Pflege von Lungenkrebs im Frühstadium erläutert, die von der European Respiratory Society (ERS) bzw. der European Society of Thoracic Surgeons (ESTS) herausgegeben wurden. Sie richtet sich an Menschen mit Lungenkrebs, die eine Behandlung in Erwägung ziehen, sowie an deren Familienangehörige oder Betreuer.
Was sind klinische Leitlinien?
Klinische Leitlinien werden nach einem wissenschaftlichen Verfahren erstellt, das dazu dient, die neuesten Erkenntnisse zu einer Erkrankung oder einem Symptom zu sammeln. In diesen Leitlinien werden auch die Meinungen von Experten sowie die Prioritäten von Patienten und Betreuern berücksichtigt, die Erfahrung mit der Erkrankung haben. Klinische Leitlinien werden für medizinisches Fachpersonal verfasst. Sie nutzen sie als Best-Practice-Dokument zur Diagnose, Behandlung und Therapie einer Erkrankung.
Was enthält diese Seite?
Diese Seite fasst die wichtigsten Aspekte der klinischen Leitlinie zusammen. Sie erläutert diese Leitlinien auf eine Weise, die für Menschen, die nicht im medizinischen Bereich tätig sind, leichter verständlich ist. Es werden Empfehlungen beschrieben, anhand derer medizinisches Fachpersonal beurteilen kann, ob eine Behandlung für eine bestimmte Person geeignet ist. Das umfasst die Betrachtung des allgemeinen Gesundheitszustands einer Person, ihrer Lungengesundheit sowie der Risiken und Vorteile der einzelnen Behandlungsoptionen.
Außerdem sind Informationen zu den anzustrebenden Standards für eine gute Pflege enthalten. Diese Empfehlungen sind wie folgt unterteilt:
Starke Empfehlungen für eine Option, wenn es gute Belege bzw. eine allgemeine Zustimmung der Autoren der Leitlinie dazu gibt.
Bedingte Empfehlungen, wenn es an Belegen zu einer Option mangelt. Das bedeutet, dass das medizinische Fachpersonal im Gespräch mit den Patienten möglicherweise unterschiedliche Behandlungsoptionen vorschlagen kann.
Eine Empfehlung können die Autoren der Leitlinie in dem Fall nicht abgeben.
Empfehlung dagegen, wenn gute Belege bzw. Einigkeit gegen eine bestimmte Behandlung oder Vorgehensweise vorliegen.
Durch die Bereitstellung dieser Informationen in zugänglicher Form soll dieses Dokument Menschen mit Lungenkrebs im Frühstadium helfen, mehr über die Pflege zu erfahren, die sie vor und nach ihrer Lungenkrebsbehandlung erhalten sollten. Dadurch können sie sich bei Entscheidungen über ihre Behandlungsmöglichkeiten besser informiert fühlen.
Was ist Lungenkrebs und wie wird er behandelt?
Lungenkrebs ist eine Krebserkrankung der Luftröhre (Trachea), der Bronchien (Atemwege) oder der Lungenbläschen (Alveolen). Die beiden am häufigsten auftretenden Hauptarten von Lungenkrebs sind: Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC): Etwa 70–80 % der Menschen mit Lungenkrebs haben NSCLC. Die häufigsten Formen von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sind das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom.
Kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC): Etwa 20 % der Menschen mit Lungenkrebs haben SCLC.
Die Behandlungspläne richten sich nach der Art und dem Stadium des Lungenkrebses einer Person, ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und ihren Wünschen.
Der Schwerpunkt der Behandlungen kann entweder auf der Heilung (durch kurative Behandlungen) liegen, oder darauf, Menschen mit Lungenkrebs zu einer Lebensverlängerung und einer besseren Lebensqualität zu verhelfen (durch palliative Behandlungen). Diese Leitlinien beziehen sich auf Behandlungen, die auf die Heilung von Lungenkrebs im Frühstadium ausgerichtet sind.
Eine Lungenkrebstherapie kann Folgendes umfassen:
- Operation
- Strahlentherapie
- Chemotherapie
- zielgerichtete Therapien (auch Immuntherapie genannt)
- eine Kombination der genannten Therapiearten.
Die Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht verbessert. Diese Verbesserungen bedeuten wiederum eine bessere Prognose für Menschen mit Lungenkrebs. Die Möglichkeit, die Therapiearten auf unterschiedliche Weise zu kombinieren, kann jedoch zu einem höheren Risiko von Nebenwirkungen der einzelnen Arten führen. Personen, für die eine Behandlung von Lungenkrebs im Frühstadium in Erwägung gezogen wird, sollten vor der Behandlung sorgfältig untersucht werden.
Operation: Durch den Einsatz von Techniken, die weniger invasiv sind, wird das Gewebe um einen Tumor herum weniger stark geschädigt. Die Erholung nach der Operation verläuft dadurch schneller, was bedeutet, dass eine Operation für mehr Menschen eine gute Option ist. Bei dem Eingriff entfernt der Chirurg nur den krebsbefallenen Teil der Lunge sowie etwaige Drüsen (Lymphknoten) um die Lunge herum. Manchmal wird die Operation mithilfe von Schlüssellochtechniken (mit der sogenannten videoassistierten Thoraxchirurgie, kurz VATS, oder mit roboterassistierter Chirurgie) durchgeführt. Dabei wird durch einen kleinen Schnitt in der Brust eine kleine Videokamera eingeführt, um die Operation zu steuern.
Zudem haben Genesungsprogramme die Betreuung rund um die Operation rationalisiert und verbessert. Sie verkürzen die Aufenthaltsdauer der Patienten im Krankenhaus nach der Operation und verbessern die Operationsergebnisse.
Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch hochenergetische Röntgenstrahlen zerstört. Diese Therapie kann entweder eigenständig oder in Kombination mit anderen Therapien angewandt werden. Nach einer Operation zur Entfernung eines Tumors kann als zusätzliche Behandlung eine Strahlentherapie durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass alle verbleibenden Krebszellen abgetötet werden. Diese Therapie kann auch zusammen mit einer Chemotherapie angewandt werden.
Bei einigen Lungenkrebserkrankungen im Frühstadium werden neue Techniken eingesetzt, bei denen eine hohe Strahlendosis direkt auf den Tumor gerichtet wird. Dadurch wird das umliegende Gewebe einer deutlich geringeren Dosis ausgesetzt. Das verringert wiederum das Risiko von Nebenwirkungen.
- Stereotaktische Körperradiotherapie (SBRT): Die Strahlen der Strahlentherapie werden aus vielen verschiedenen Winkeln auf den Körper gerichtet und treffen auf den Tumor.
- Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT): Die Strahlen der Strahlentherapie werden so geformt, dass sie um den Tumor herum verlaufen.
Bei der Chemotherapie werden Medikamente zur Behandlung von Krebs verwendet. Sie verlangsamen das Krebswachstum. Je nachdem, wo sich der Tumor befindet und in welchem Stadium sich der Krebs befindet, kann die Chemotherapie vor oder nach der Operation oder zusammen mit einer Strahlentherapie verabreicht werden. Dies wird dann als Radiochemotherapie bezeichnet.
Zielgerichtete Therapien werden in Tablettenform verabreicht und wirken, indem sie das Wachstum von Krebszellen blockieren.
Die Immuntherapie ist ein Behandlungsansatz, der Krebs durch die Stärkung unseres natürlichen Immunsystems bekämpft.
Die Induktionstherapie ist eine Methode für die Erstbehandlung. Sie kann zur Heilung der Krankheit oder als erster Behandlungsschritt eingesetzt werden. Beispielsweise kann eine platinhaltige Chemotherapie verabreicht werden, um einen Tumor vor der Operation möglichst stark zu verkleinern. Dadurch wird die chirurgische Entfernung erleichtert.
Wie wird die Lungenfitness gemessen?
Das Risiko von Komplikationen bei der Behandlung von Lungenkrebs ist geringer, wenn die Lunge noch gut funktioniert und die Person über eine gute Fitness verfügt. Daher werden zahlreiche Tests durchgeführt, um sowohl die Fitness insgesamt als auch die Lungengesundheit zu überprüfen. Diese Tests können Folgendes umfassen:
- Einen Gastransfertest, der misst, wie gut die Lunge Sauerstoff aus der Atemluft einer Person in den Blutkreislauf überträgt. Dabei handelt es sich um einen sicheren und schnellen Test zur Feststellung der Lungenfunktion im Ruhezustand. Bei diesem Test wird eine kleine Menge Kohlenmonoxidgas durch ein Mundstück eingeatmet und der Atem 10 Sekunden lang angehalten, um zu sehen, wie viel davon von der Lunge aufgenommen wird.
- Der Spirometrie-Test untersucht, wie gut eine Person ein- und ausatmen kann, und kann zur Diagnose und Überwachung von Lungenerkrankungen verwendet werden. Während des Tests atmet der Patient so viel Luft wie möglich und so stark wie möglich in ein Gerät namens Spirometer aus. Dieser Test misst, wie viel Luft eine Person insgesamt ausblasen kann und wie viel Luft sie in der ersten Sekunde des Tests ausblasen kann. Die Ergebnisse (forcierte Vitalkapazität (FVC) und forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde (FEV1)) zeigen, wie gut die Lunge funktioniert.
- Feldübungstests, die beispielsweise messen, wie weit eine Person in kurzer Zeit gehen kann, oder die Fähigkeit einer Person, Treppen zu steigen. Beispiele für diese Tests sind:
- 6-Minuten-Gehtest
- inkrementeller Shuttle-Gehtest
- Treppensteigtest
- BODE-Score.
- Kardiopulmonale Belastungstests sammeln Informationen darüber, wie Herz und Lunge auf körperliche Betätigung reagieren. Sie werden in einer Klinik auf einem Laufband oder Fahrradgerät durchgeführt und können eine Blutuntersuchung, ein EKG, Blutdruckmessungen sowie Atemtests umfassen.
Empfehlungen
Die Leitlinien erkennen an, wie wichtig es ist, Menschen mit Lungenkrebs in Entscheidungen über ihre Behandlung einzubeziehen. Die Risiken und Vorteile der jeweiligen Behandlung sollten mit den von Lungenkrebs Betroffenen und ihren Familien oder Betreuern besprochen werden.
In den von dem Gremium ausgewerteten Studien erwies sich keine der Testformen als schädlich.
Messung des Risikos von Komplikationen aufgrund der Behandlung von Lungenkrebspatienten, die sich einer Operation und/oder einer Immun-/Chemo-/Strahlentherapie unterziehen (als „radikale Behandlungsweise“ bezeichnet)
Bei Personen, die eine radikale Behandlungsweise in Erwägung ziehen, sollte die Lungenfunktion gemessen werden, um das Risiko von Komplikationen zu überprüfen. Diese Tests sollten vor Beginn einer Behandlung und nach der ersten Chemotherapie oder zielgerichteten Therapie durchgeführt werden.
Der Gastransfertest sollte in folgenden Situationen durchgeführt werden:
Bei Patienten mit Lungenkrebs, bei denen eine Operation in Erwägung gezogen wird. Dies hilft den Ärzten, das Risiko von Komplikationen infolge der Operation einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Operation die richtige Behandlung ist. Die Messwerte können auch mit Messungen nach der Operation verglichen werden, um etwaige Veränderungen der Lungenfunktion zu beurteilen.
Bei Patienten, die erneut bezüglich einer Operation untersucht werden, nachdem sie eine Induktionstherapie erhalten haben. Dies hilft den Ärzten, das Risiko von Komplikationen infolge der Operation einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Operation die richtige Behandlung ist.
Bei Patienten mit Lungenkrebs, bei denen eine Operation in Erwägung gezogen wird, und bei Patienten, bei denen nach einer ersten Runde Strahlentherapie oder Chemotherapie eine erneute Operation in Erwägung gezogen wird. Dies hilft den Ärzten, das Risiko von Komplikationen infolge der Operation einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Operation die richtige Behandlung ist.
Bei Patienten mit Lungenkrebs, bei denen eine Strahlentherapie in Erwägung gezogen wird. Dies hilft den Ärzten, das Risiko einer strahleninduzierten Pneumonitis einzuschätzen. Die Messwerte können auch mit Messungen nach der Strahlentherapie verglichen werden, um etwaige Veränderungen der Lungenfunktion zu beurteilen.
Ein Spirometrie-Test sollte in folgenden Situationen vor der Behandlung durchgeführt werden:
Bei Patienten mit Lungenkrebs, bei denen eine Operation in Erwägung gezogen wird. Dies hilft den Ärzten, das Risiko von Komplikationen infolge der Operation einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Operation die richtige Behandlung ist.
Bei Patienten, die erneut bezüglich einer Operation untersucht werden, nachdem sie eine Induktionstherapie erhalten haben. Dies hilft den Ärzten, das Risiko von Komplikationen infolge der Operation einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Operation die richtige Behandlung ist.
Grundlegende Belastungstests
Ein grundlegender Belastungstest sollte verwendet werden, um das Risiko eines frühen Todes und von Komplikationen bei Lungenkrebspatienten zu ermitteln, bei denen eine Operation geplant ist. Das Gremium schlägt vor, den Shuttle-Gehtest, den Treppensteigtest oder den 6-Minuten-Gehtest durchzuführen.
Es gab nicht genügend Belege, um anhand der spezifischen körperlichen Betätigungsintensität zu entscheiden, ob bei einer Person nach der Operation ein sehr hohes oder sehr geringes Risiko für Komplikationen besteht. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass bei Personen, die in 6 Minuten mehr als 400 Meter gehen oder beim Treppensteigen mehr als 10 Meter steigen können, ein geringeres Risiko für Komplikationen besteht.
Bei Personen, die bei den vorherigen Belastungstests schlecht abschneiden, sollte ein formeller kardiopulmonaler Belastungstest durchgeführt werden. Dies hilft den Ärzten, die Risiken einer Operation abzuschätzen und zu entscheiden, ob es sich um die richtige Behandlung handelt. Mithilfe kardiopulmonaler Belastungstests lässt sich auch die Verbesserung der Fitness einer Person für eine radikale Behandlungsweise messen.
Es wird keine Empfehlung ausgesprochen, ob bei Lungenkrebspatienten, die sich einer Strahlentherapie oder einer multimodalen Behandlung unterziehen müssen, grundlegende Belastungstests oder kardiopulmonale Belastungstests zur Ermittlung des Risikos eines frühen Todes und von Komplikationen eingesetzt werden sollen, da die bisherigen Studien hierfür keine ausreichenden Belege liefern.
Minimierung der Risiken für die Herz- und Lungengesundheit bei Patienten mit NSCLC (nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom), die für eine Operation und/oder eine Immun-/Chemo-/Strahlentherapie in Frage kommen (als „radikale Behandlungsweise“ bezeichnet)
Bei Patienten mit NSCLC, die Kandidaten für eine radikale Behandlungsweise sind und in der Vergangenheit an Herz- und Lungenerkrankungen litten, muss eine Beurteilung der Herzgesundheit vorgenommen werden. Zu diesen Krankheiten zählen beispielsweise koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern, pulmonal-arterielle Hypertonie, Funktionsstörungen und Herzinsuffizienz des linken Ventrikels, Funktionsstörungen des rechten Ventrikels oder Herzklappenerkrankungen. Jegliche weitere geeignete Diagnosetests sollten ebenfalls durchgeführt werden.
Patienten mit pulmonaler Hypertonie sollten in einem Expertenzentrum für pulmonale Hypertonie beurteilt werden. Die Beurteilung sollte eine Rechtsherzkatheterisierung umfassen.
Eine solche Beurteilung sollte gleichzeitig mit anderen Tests vor der Behandlung erfolgen, um Verzögerungen beim Beginn der Lungenkrebsbehandlung zu vermeiden. Bei der Entscheidung für weitere Tests sollte Folgendes berücksichtigt werden:
- die Vermeidung von Verzögerungen der Lungenkrebsbehandlung
- das Risiko von Komplikationen durch invasive Herz- und Lungentests
- die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten.
Weitere Faktoren, die bei Patienten mit NSCLC berücksichtigt werden sollten, die für eine Operation und/oder eine Immun-/Chemo-/Strahlentherapie in Frage kommen (als „radikale Behandlungsweise“ bezeichnet)
Vom Patienten berichtete Faktoren
Vor und nach einer kurativen Lungenkrebsbehandlung sollten Informationen zur Lebensqualität gesammelt werden. Die Patienten sollten ein Jahr nach der Operation und bis zu 2 Jahre nach einer SBRT nachuntersucht werden. Fragebögen zur Erfassung von Informationen über Behandlungsergebnisse sollten für die Verwendung vor und nach der Behandlung geeignet sein. Die Auswirkungen der Nebenwirkungen auf die Lebensqualität sollten innerhalb von 3 Monaten nach der Behandlung beurteilt werden. Für eine schnelle Genesungszeit müssen die von den Patienten gemeldeten Symptome angemessen behandelt werden.
Lungenerhaltende Operation
Lungenerhaltende Operationen bieten ähnliche Ergebnisse wie eine Lobektomie (Lappenresektion) und sollten als Option für Hochrisikopatienten in Betracht gezogen werden.
Durch bessere Screening-Programme kann künftig bei mehr Menschen mit Verdacht auf Lungenkrebs dieser im Frühstadium erkannt werden. Dann können lungenschonende Verfahren eingesetzt werden, bei denen nur kleine Teile der betroffenen Lungenoberfläche entfernt werden. Das trägt dazu bei, die normale Funktion der Lunge aufrechtzuerhalten, und bedeutet, dass Patienten in Zukunft Behandlungen zur Heilung von Krebs erhalten können.
Bei der Prähabilitation wird vor der Operation ein Atemübungsprogramm durchgeführt oder ein Gerät zur Stärkung der Atemmuskulatur verwendet. Bei Personen, die an einem Prähabilitationsprogramm teilnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Operation eine Lungenkomplikation zu entwickeln, nur halb so hoch. Das kann dazu beitragen, die Dauer des Krankenhausaufenthalts nach der Operation zu verkürzen. Selbst relativ kurze präoperative Interventionen (weniger als 3 Wochen) scheinen wirksam zu sein, um Komplikationen nach der Operation vorzubeugen. Die Rolle der Rehabilitation vor, während und nach der Strahlen- und Chemotherapie muss stärker erforscht werden.
Eine pulmonale Rehabilitation nach der Behandlung kann die Lebensqualität von Patienten verbessern, die sich einer Lungenoperation unterziehen, einschließlich derjenigen, die prähabilitierende Maßnahmen durchlaufen haben.
Lungenrehabilitation
Eine Lungenrehabilitation vor der Behandlung (auch Prähabilitation genannt) kann vor behandlungsbedingten Komplikationen schützen. Dadurch kann die Zahl der Menschen steigen, bei denen eine Behandlung möglich ist.
Bei der Prähabilitation wird vor der Operation ein Atemübungsprogramm durchgeführt oder ein Gerät zur Stärkung der Atemmuskulatur verwendet. Bei Personen, die an einem Prähabilitationsprogramm teilnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Operation eine Lungenkomplikation zu entwickeln, nur halb so hoch. Das kann dazu beitragen, die Dauer des Krankenhausaufenthalts nach der Operation zu verkürzen. Selbst relativ kurze präoperative Interventionen (weniger als 3 Wochen) scheinen wirksam zu sein, um Komplikationen nach der Operation vorzubeugen. Die Rolle der Rehabilitation vor, während und nach der Strahlen- und Chemotherapie muss stärker erforscht werden.
Eine pulmonale Rehabilitation nach der Behandlung kann die Lebensqualität von Patienten verbessern, die sich einer Lungenoperation unterziehen, einschließlich derjenigen, die prähabilitierende Maßnahmen durchlaufen haben.
Ernährungszustand und Gebrechlichkeit
Der Ernährungszustand berücksichtigt den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person und basiert auf der Menge und Art der Nährstoffe, die sie aus der aufgenommenen Nahrung erhält. Gebrechlichkeit beschreibt die Fähigkeit einer Person, sich von einer Krankheit zu erholen. Gebrechlichkeit bedeutet, dass es länger dauern kann, bis sich jemand von kleineren Gesundheitsproblemen erholt.
Bei Lungenkrebspatienten sollten vor jeder Behandlung der Ernährungszustand und die Gebrechlichkeit überprüft werden.
Alter
Das Alter sollte nicht allein als Entscheidungskriterium für eine radikale Lungenkrebsbehandlung herangezogen werden. Das Alter einer Person mit Lungenkrebs kann mit ihrem Leistungsstatus, ihren Komorbiditäten und ihrem Lungenkrebsstadium kombiniert werden, um die am besten geeignete Behandlung zu ermitteln.
- Bei älteren Menschen müssen vor einer Lungenkrebsoperation entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden. Bei älteren Patienten dauert die Genesung nach einer Operation länger als bei jüngeren Patienten. Ihre Krankenhausaufenthalte sind zwar ähnlich lang, ein Viertel der Patienten wird jedoch danach in spezialisierte Pflegeeinrichtungen verlegt. Das Ausmaß einer Operation und das Vorhandensein von Komorbiditäten haben einen erheblichen Einfluss auf das Sterberisiko älterer Patienten.
- Bei älteren Patienten mit NSCLC sollte nicht allein aufgrund ihres Alters auf eine Chemotherapie verzichtet werden.
- Eine Strahlentherapie scheint bei älteren Patienten im Frühstadium von NSCLC ebenso wirksam zu sein wie bei jüngeren Patienten.
- Bei älteren Patienten führte die Radiochemotherapie zu einer schlechteren Gesamtüberlebensrate und einer höheren Sterberate während der Behandlung als bei jüngeren Patienten. Die Überlebenschancen nach einer Radiochemotherapie sind bei Patienten ab 75 Jahren schlechter.
Die Auswirkungen anderer Zustände oder Krankheiten
Andere Zustände und Krankheiten, die neben einer Krankheit bestehen, werden als Komorbiditäten bezeichnet. Diese können sich auf die Eignung einer Person für eine Lungenkrebsbehandlung auswirken. Bei Menschen mit Komorbiditäten besteht in dem Jahr nach einer Operation und/oder Strahlentherapie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.
Bei Menschen mit interstitieller Lungenerkrankung (ILD) besteht nach einer Operation und Strahlentherapie ein erhöhtes Risiko einer Verschlechterung ihres Zustands. Trotzdem sollte bei nicht auf eine lokale Therapie verzichtet werden (d. h. einer Behandlung, die auf ein bestimmtes Organ oder einen begrenzten Bereich des Körpers ausgerichtet ist). Spezielle Erkrankungen oder Situationen wie Nierendialyse, Transplantation, HIV und interstitielle Lungenerkrankungen sollten in Fachzentren mit einer eigenen spezifischen Abteilung behandelt werden.
Bei Lungenkrebspatienten mit Komorbiditäten muss das Verhältnis der Risiken und Vorteile der Behandlung abgewogen werden.
Rauchen
Menschen mit Lungenkrebs, die zum Zeitpunkt der Diagnose oder kurz danach mit dem Rauchen aufhören, leben länger. Bei Patienten, die vor der Operation mit dem Rauchen aufhören, ist das Risiko von Komplikationen nach der Operation geringer, selbst wenn sie erst kurz vor der Operation damit aufgehört haben. Menschen, die sich auf eine Lungenkrebsoperation vorbereiten, sollten bei der Raucherentwöhnung unterstützt werden, um das Risiko von Komplikationen zu verringern.
Weiterführende Literatur
Diese Leitlinie wurde von der European Respiratory Society und der European Lung Foundation erstellt. Über die folgenden Links können Sie mehr über diese Organisationen erfahren und auf die vollständigen professionellen Leitlinien zugreifen:
Vollständige klinische Leitlinie – veröffentlicht im European Respiratory Journal im Jahr 2025.
- ERS/ESTS-Leitlinie für die klinische Praxis zur Eignung für die kurative Behandlung von Lungenkrebs
Weitere Ressourcen für Patienten und Betreuer:
- Lungentests und entsprechende Verfahren
- Die Website der European Lung Foundation bietet zahlreiche Informationen zu den Vorteilen einer Raucherentwöhnung.
Über die ERS
Die European Respiratory Society (ERS) ist eine internationale Organisation, die Ärzte, medizinisches Fachpersonal, Wissenschaftler und andere Experten aus dem Bereich der Pneumologie zusammenbringt. Sie ist eine der führenden medizinischen Organisationen im Bereich der Atemwegserkrankungen und verfügt über eine wachsende Mitgliederzahl aus über 140 Ländern. Die Mission der ERS besteht darin, die Lungengesundheit zu fördern, um das Leiden durch Krankheiten zu lindern, und weltweit Standards in der Atemwegsmedizin voranzutreiben. Wissenschaft, Bildung und Interessenvertretung stehen im Mittelpunkt aller Aktivitäten. Die ERS engagiert sich für die Förderung wissenschaftlicher Forschung und bietet Zugang zu hochwertigen Bildungsressourcen. Darüber hinaus spielt sie eine Schlüsselrolle bei der Interessenvertretung und schärft das Bewusstsein für Lungenerkrankungen in der Öffentlichkeit und in der Politik. www.ersnet.org
Über die ELF
Die European Lung Foundation (ELF) wurde von der ERS gegründet, um Patienten und die Öffentlichkeit mit Fachleuten zusammenzubringen. Die ELF erstellt öffentliche Versionen der ERS-Leitlinien, um die Empfehlungen für medizinisches Fachpersonal in Europa in einem einfachen, für alle verständlichen Format zusammenzufassen. Diese Dokumente enthalten keine detaillierten Informationen zu jeder Erkrankung und sollten nur in Verbindung mit anderen Patienteninformationen und Gesprächen mit dem Arzt verwendet werden. Weitere Informationen zu Lungenerkrankungen finden Sie auf der ELF-Website: www.europeanlung.org
Glossar
BODE-Index (BMI, Atemwegsobstruktion, Dyspnoe und Belastungskapazitätsindex): Dies ist ein Maß für die Lungengesundheit, das verschiedene Faktoren kombiniert, um eine Punktzahl bzw. einen Score zu ermitteln. Ärzte verwenden Messungen von Gewicht und Größe, Atemnot, wie viel Luft eine Person in der ersten Sekunde des Tests im Vergleich zu gesunden Lungen ausatmen kann (FEV1) und wie weit sie in 6 Minuten gehen können, um eine kombinierte Punktzahl zu ermitteln.
EKG (Elektrokardiogramm): Ein Test mit der Aufzeichnung der Herzfrequenz und des Herzrhythmus einer Person mithilfe elektrischer Signale.
Nachverfolgung: Beobachtung einer Person, Gruppe oder definierten Population über einen bestimmten Zeitraum, um Veränderungen des Gesundheitszustands oder gesundheits- und sozialfürsorgebezogener Variablen festzustellen.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Eine Kombination aus dem körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefinden einer Person, also nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Dazu können Emotionen, Schlafqualität, Sozialleben, das Energiegefühl einer Person und die allgemeine Lebenszufriedenheit gehören. Bei Atemwegserkrankungen wird die gesundheitsbezogene Lebensqualität mithilfe von Fragebögen wie dem St. George’s Respiratory Questionnaire und dem Chronic Respiratory Questionnaire gemessen.
Induktionstherapie: Die erste Behandlung einer Krankheit. Dies ist häufig Teil einer Standardbehandlung, wie etwa einer Operation, gefolgt von Chemotherapie und Bestrahlung. Bei alleiniger Anwendung gilt die Induktionstherapie als die beste Behandlung. Wenn die Krankheit dadurch nicht geheilt wird oder schwere Nebenwirkungen auftreten, können andere Behandlungen hinzugefügt oder als Alternative eingesetzt werden. Die Induktionstherapie wird auch als Erstlinientherapie, Primärtherapie oder Primärbehandlung bezeichnet.
Perioperative Versorgung: Pflege, die rund um den Operationszeitpunkt erfolgt, normalerweise von der Einlieferung des Patienten ins Krankenhaus für die Operation bis zu seiner Entlassung nach Hause.
Prognose: Der wahrscheinliche Ausgang einer Krankheit. Bei Krebs umfasst eine Prognose die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung und Heilung, und wie wahrscheinlich es ist, dass der Krebs wiederkehrt (Rezidiv), oder wie lange jemand mit unheilbarem Krebs voraussichtlich noch leben wird.
Strahleninduzierte Pneumonitis: Lungenentzündung durch eine Strahlentherapie im Brustbereich. Zu den Symptomen zählen Atemnot, Fieber oder Husten. Die Patienten erhalten Medikamente zur Linderung der Symptome und sie können Sauerstoff zur Unterstützung der Atmung erhalten.
Rechtsherzkatheterisierung: Ein Verfahren zur Messung des Blutdrucks im Herzen und in den Blutgefäßen der Lunge. Dabei wird ein kleiner Schlauch (Katheter) in eine Vene eingeführt und zum Herzen geleitet. Dieses Verfahren dient dazu, eine pulmonale Hypertonie zu diagnostizieren und Entscheidungen über die beste Behandlungsweise zu treffen.
Shuttle-Gehtest: Misst die maximale Gehkapazität einer Person, indem überwacht wird, wie weit sie gehen kann, wobei das Tempo schrittweise erhöht wird. Der Test wird so lange fortgesetzt, bis der Patient das vorgegebene Tempo nicht mehr einhalten kann oder die Atemnot zu groß wird, um weiterzumachen. Ein auf der Stirn oder am Finger angebrachter Sensor misst dabei die Herzfrequenz sowie den Sauerstoffgehalt des Patienten.
6-Minuten-Gehtest: Ein einfacher Belastungstest, der die Distanz misst, die eine Person in 6 Minuten um zwei Kegel herum auf einem 30 Meter langen flachen Korridor laufen kann. Ein auf der Stirn oder am Finger angebrachter Sensor misst dabei die Herzfrequenz sowie den Sauerstoffgehalt des Patienten.
Stereotaktische Körperradiotherapie (SBRT): Hierbei werden die Strahlen der Strahlentherapie werden aus vielen verschiedenen Winkeln auf den Körper gerichtet und treffen auf den Tumor.
TNM: Ein System mit Buchstaben und Zahlen zur Beschreibung des Stadiums einer Krebserkrankung. T beschreibt die Größe des Tumors, N beschreibt, ob sich Krebszellen in den Lymphknoten befinden, und M beschreibt, ob sich der Krebs auf einen anderen Körperteil ausgebreitet hat.
This guideline was jointly published by European Respiratory Society and European Society of Thoracic Surgeons.

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