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Berufsbedingte Lungenerkrankungen

Der Begriff ‚berufsbedingte Lungenerkrankung‘ bezieht sich auf Krankheiten, die durch die Materialien verursacht oder verschlimmert wurden, mit denen Sie am Arbeitsplatz in Berührung kommen. Dieses Faktenblatt untersucht einige der verschiedenen berufsbedingten Lungenerkrankungen, sowie deren Ursachen und Behandlungsmethoden. Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die durch Materialien am Arbeitsplatz verursacht oder verschlimmert werden können. Jede einzelne beeinträchtigt die Lunge auf andere Weise und löst verschiedene Symptome aus.

Letztes Update 17/02/2021
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Berufsbedingtes Asthma


Es gibt drei verschiedene Arten von berufsbedingtem Asthma:

  • Existierendes Asthma, das durch das Arbeitsumfeld verschlimmert wurde.
  • Asthma, das erstmalig durch Materialien am Arbeitsplatz ausgelöst werden kann, wie z. B. Chemikalien oder Staub. Schätzungen gehen davon aus, dass diese Art des Asthmas circa 10 % der Asthmafälle ausmacht, die im Erwachsenenalter einsetzen.
  • Ein weniger bekannter Typ ist RADS (Reactive Airways Dysfunction Syndrome) oder akutes, durch Reizstoffe ausgelöstes Asthma. Hierbei handelt es sich um eine Form von Asthma, die nach nur einem Zwischenfall auftreten kann, wie zum Bespiel beim Austritt von Chemikalien oder bei Bränden.

Was ist der Auslöser? Viele unterschiedliche Substanzen können berufsbedingtes Asthma auslösen. Diese sind nachfolgend aufgelistet:

Symptome:

Menschen mit berufsbedingtem Asthma leiden an den üblichen Asthma-Symptomen wie Husten, Keuchen, einem Engegefühl in der Brust und Atemproblemen. Die Substanz kann auch die Nasenschleimhaut beeinträchtigen und zu Niesreiz und einer laufenden oder verstopften Nase führen; dies bezeichnet man als Rhinitis.

Behandlung:

Die beste Art, die Erkrankung zu behandeln, ist, den Kontakt mit dem Material zu vermeiden. Dies sollte erfolgen, sobald eine Diagnose feststeht; idealerweise innerhalb eines Jahres nach Einsetzen der Symptome, um die Chancen einer Heilung zu verbessern. Dies kann eine Versetzung in eine andere Abteilung innerhalb des Unternehmens oder einen Wechsel der Arbeitsstelle erforderlich machen. Wenn das nicht möglich ist, können Ärzte auch beim Umgang mit den Symptomen am Arbeitsplatz helfen, allerdings ist diese Art des Asthmas möglicherweise schwer zu kontrollieren.

Allergische Alveolitis


Diese Erkrankung wird durch eine allergische Reaktion auf einen Stoff im Arbeitsumfeld ausgelöst und betrifft die Lungenbläschen. Wenn eine Person über längere Zeit hinweg betroffen ist, kann die Erkrankung dauerhaftes Narbengewebe in der Lunge hinterlassen.

Was ist der Auslöser?

Die Erkrankung wird durch das wiederholte Einatmen von winzigen Partikeln ausgelöst, die bei einigen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können. Die häufigste berufsbedingte Ursache liegt derzeit im Bereich von Flüssigkeiten zur Metallbearbeitung, viele Fälle werden jedoch auch durch Schimmel in Getreide oder Holz oder durch Vögel ausgelöst.

Symptome:

Kann zu einem Engegefühl in der Brust und zu Atemproblemen führen, die innerhalb von 12 Stunden nach dem Kontakt auftreten können. Im Gegensatz zu Asthma tritt hierbei auch Fieber auf. Die Schwere der Symptome hängt gewöhnlich auch mit der Zeitdauer der Belastung zusammen. Eine fortgesetzte Belastung führt außerdem häufig zu Gewichtsverlust.

Behandlung:

Wie bei berufsbedingtem Asthma liegt auch hier die beste Behandlung darin, sich der Belastung durch die auslösende Substanz nicht länger auszusetzen. Das kann durch eine verbesserte Belüftung des Arbeitsbereichs oder durch den Wechsel in einen anderen Bereich oder durch einen Berufswechsel erreicht werden. Bei schweren Symptomen und schwer beeinträchtigter Lungenfunktion können in bestimmten Fällen Steroide verabreicht werden.

Berufsbedingte COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease)


COPD ist eine Erkrankung, die durch Schwächung und Verengung der Atemwege verursacht wird. Die meisten COPD-Erkrankungen werden durch Rauchen verursacht, allerdings weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass circa 15 % der COPD-Fälle zumindest teilweise durch bestimmte Materialien oder Stoffe am Arbeitsplatz ausgelöst werden.

Was ist der Auslöser?

Mögliche Ursachen der berufsbedingten COPD umfassen:

  • Staub aus Kohle, Baumwolle oder Getreide
  • Eine Substanz, die Kieselsäure genannt wird, findet man in Metallbergwerken, Steinbrüchen und Töpfereien sowie in der Baubranche.
  • Passivrauch
Symptome:

COPD ist eine Schädigung der Lunge und der Atemwege und führt zu Atemproblemen. Kurzatmigkeit, Husten und die ständige Produktion kleiner Schleimmengen sind die üblichen Symptome.

Behandlung:

Wie bei der durch Rauchen ausgelösten COPD kann die Lungenschädigung, die durch die Substanzen entstanden ist, nicht wieder rückgängig gemacht werden, auch wenn die betroffene Person nicht mehr den auslösenden Substanzen ausgesetzt ist. Die Symptome der berufsbedingten COPD können jedoch durch Medikamente zum Inhalieren und Trainingsprogramme behandelt werden.

Mesotheliom


Ein Mesotheliom ist eine Krebsform. Es unterscheidet sich von Lungenkrebs, da die Erkrankung die Außenseite der Lunge betrifft, wohingegen Lungenkrebs das Lungengewebe befällt. Die Krankheit tritt seltener auf als Lungenkrebs. Ein Mesotheliom wird durch Asbestbelastung verursacht. Hierbei handelt es sich um ein Mineral, das früher häufig in Gebäuden verwendet wurde. Lungenkrebs gehört auch zu den berufsbedingten Erkrankungen, wird jedoch üblicherweise erst nach dem Kontakt mit einer erheblich höheren Asbestmenge verursacht, als für das Entstehen eines Mesothelioms erforderlich ist.

Was ist der Auslöser?

Ein Mesotheliom kann schon durch den kurzzeitigen Kontakt mit Asbest verursacht werden und tritt meist 15-50 Jahre später auf. Es betrifft häufig Schiffsbauer und Abbrucharbeiter, Bauarbeiter, Klempner, Elektriker und Maler, kann jedoch jeden betreffen, der Kontakt mit Asbest hatte. Die Europäische Union hat jetzt die Verwendung von Asbest komplett verboten.

Symptome:

Kann zu Schmerzen in der Brustwand, zu Kurzatmigkeit, Keuchen und übermäßiger Müdigkeit führen.

Behandlung:

Es laufen kontinuierliche Forschungen, um neue Behandlungsformen für das Mesotheliom zu finden, da die derzeitigen Behandlungen wie Chemotherapie und Strahlenbehandlung bei der Heilung der Erkrankung meist nicht erfolgreich sind. Es werden verschiedene Behandlungen zur Linderung der Symptome angeboten. Die gängigste Behandlung liegt darin, Flüssigkeit aus der Brust zu entfernen, um die Kurzatmigkeit zu lindern. Die Prognosen der Erkrankung sind schlecht und wenn sich erst einmal Symptome entwickelt haben, ist die Erkrankung oft schon in einem fortgeschrittenen Stadium.

Infektionskrankheiten


Einige infektiöse Lungenerkrankungen können durch Materialien am Arbeitsplatz verursacht werden:

  • Tuberkulose kann eine berufsbedingte Lungenkrankheit von Beschäftigten im Gesundheitswesen, in Gefängnissen und von anderen Personen sein, die mit daran erkrankten Menschen arbeiten oder an deren Behandlung beteiligt sind.
  • Die Legionärskrankheit verbreitet sich durch Klimaanlagen und gefährdet Arbeiter in Hotels oder Freizeit-/Sportzentren.
  • Q-Fieber wird durch Bakterien verursacht, die Nutztiere, Nager oder Katzen und Hunde befallen und landwirtschaftliche Arbeiter gefährden.

Welche Anzeichen gibt es, die auf eine berufsbedingte Lungenerkrankung hinweisen?


Es gibt verschiedene Anzeichen, auf die man bei den jeweiligen Erkrankungen achten sollte.

Asthma und allergische Alveolitis: Sie können Symptome bemerken, kurz nachdem Sie eine neue Arbeitsstelle angetreten haben, oder wenn sich die Arbeitsbelastungen geändert haben. Wenn sich die Symptome wieder bessern, wenn Sie nicht am Arbeitsplatz sind (z. B. im Urlaub), sind weitere Untersuchungen erforderlich, um herauszufinden, ob der Arbeitsplatz die Ursache ist. Rhinitis kann bereits vor dem Asthma einsetzen und Symptome in der Nase können ein frühzeitiges Warnsignal für berufsbedingtes Asthma sein.

COPD und Mesotheliom: Diese Erkrankungen setzen wesentlich langsamer ein und entwickeln sich üblicherweise erst nach jahrelanger Belastung. Wenn Sie wissen, dass Sie mit Materialien Kontakt hatten, die diese Erkrankungen auslösen können und Sie erste Symptome bemerken, wie z. B. Kurzatmigkeit oder ständiges Husten, dann kann dies ein Anzeichen für COPD oder ein Mesotheliom sein.

Was sollten Sie tun, wenn Sie eine berufsbedingte Erkrankung vermuten?


Wenn Sie Lungensymptome haben, von denen Sie vermuten, dass sie durch den Arbeitsplatz verursacht oder verschlimmert worden sind, ist es wichtig, dies Ihrem Arzt mitzuteilen. Wenn dieser vermutet, dass diese Symptome durch irgendwelche Materialien an Ihrem Arbeitsplatz verursacht worden sind, wird er Sie zu einem Fachzentrum überweisen, das auf Berufserkrankungen spezialisiert ist. Dort kann man eine genaue Diagnose Ihrer Erkrankung erstellen und bestimmen, ob diese etwas mit Ihrem Arbeitsumfeld zu tun hat. Wurden Sie mit der Krankheit diagnostiziert und/oder werden Sie dagegen behandelt, so werden Sie wissen, ob Sie mit Ihrem Arbeitgeber, dem Arbeitsschutz oder der Gewerkschaft besprechen müssen, wie Ihr Arbeitsumfeld für Sie sicherer gemacht werden kann, oder ob Sie eventuell die Arbeitsstelle wechseln sollten.

Sollten Sie Schadensersatz beantragen?


Wenn Sie eine Erkrankung haben, die nachweislich auf ein Problem im Arbeitsumfeld zurückzuführen ist, können Sie in Betracht ziehen, hierfür eine Entschädigung zu beantragen. Ihr Arzt kann Sie über die beste Vorgehensweise beraten und Ihnen Tipps geben, wie Sie dies mit Ihrem Arbeitgeber besprechen können. Der Ablauf für die Beantragung einer Entschädigungszahlung ist in Europa von Land zu Land unterschiedlich. Es gilt deshalb zu prüfen, welche nationalen Richtlinien für Ihr Land in Bezug auf Berufskrankheiten gelten. Es kann z. B. einen nationalen Entschädigungsplan geben, der durch die Regierung getragen wird; Sie können Ihre Forderung bei der Krankenkasse einreichen oder Sie können Ihren Arbeitgeber verklagen.

Es gibt viele Informationen zu Berufskrankheiten, insbesondere in Hinblick auf Asbest, die auf gewerblichen Websites nachzulesen sind, die durch Rechtsanwaltsfirmen unterhalten werden. Am besten gehen Sie vorsichtig mit den auf diesen Seiten erhaltenen Informationen um und denken daran, dass diese Informationen nicht die Beratung ersetzen können, die Sie von einem Arzt erhalten.

Maßnahmen in Europa


Die Europäische Union (EU) hat die maximale Konzentration von Substanzen in der Luft festgelegt, die noch als unbedenklich gilt. Jeder Mitgliedsstaat hat ebenfalls seine eigenen Grenzwerte festgelegt, die häufig noch weiter als die durch die EU festgesetzten Grenzen gehen. Sie können mehr über deren Empfehlungen auf ihrer Website nachlesen: http://ec.europa.eu/social

Die European Agency for Safety and Health at Work (EU-OSHA) hat eine Liste mit verschiedenen Richtlinien auf ihrer Website aufgeführt: https://osha.europa.eu/en/topics

Die EU-OSHA Healthy Workplaces Campaign 2012-2013 richtet sich an Vorgesetzte, Arbeiter und andere Beteiligte, um sie zu ermutigen, gemeinsam an der Verbesserung von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu arbeiten. Veranstaltungen und Initiativen finden in allen europäischen Ländern statt. Sie können erfahren, was in Ihrem Land geschieht, und erhalten weitere Informationen dazu, wie Sie Ihren Teil dazu beitragen können. Besuchen Sie die Website: www.healthy-workplaces.eu

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Europäische Umweltagentur: www.eea.europa.eu
Healthy Workplaces-Initiative: www.healthy-workplaces.eu

Dieses Material wurde durch den June Hancock Mesothelioma Research Fund, in Zusammenarbeit mit Professor Sherwood Burge, Gareth Walters, Professor Frederic de Blay and Peter Thompson zusammengestellt.

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