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Rauchen mit bestehender Lungenkrankheit

Wenn Sie mit einer Lungenkrankheit leben, aber trotzdem weiterrauchen, sind Sie nicht der einzige. Viele Menschen mit einer Lungenkrankheit rauchen weiter, weil sie das Rauchen nicht aufgeben möchten oder es schwer finden, damit aufzuhören. Es ist niemals zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören, selbst wenn bei Ihnen eine Lungenkrankheit diagnostiziert wurde. Viele Studien zeigen, dass es für Menschen mit einer Lungenkrankheit sehr vorteilhaft ist, mit dem Rauchen aufzuhören, und dass das Aufhören verschiedene Behandlungen aller Lungenkrankheiten unterstützt.

In diesem Infoblatt finden Sie Informationen zu den Vorteilen eines rauchfreien Lebens insbesondere bei bestehenden Lungenkrankheiten, es werden einige Gesundheitsrisiken aufgezeigt, die durch anhaltendes Rauchen mit einer Lungenkrankheit bestehen und Sie erhalten Vorschläge für Gespräche mit Ihrer Gesundheitsfachkraft über das Rauchen. Des Weiteren finden Sie Informationen über einige der effektivsten Methoden zur Rauchentwöhnung.

Letztes Update 20/06/2021
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Warum sollte ich mit dem Rauchen aufhören?


Mit dem Rauchen aufzuhören ist einer der wichtigsten Schritte zur Verbesserung Ihrer Gesundheit. Wenn Sie unter einer Lungenkrankheit leiden und rauchen, ist das Aufhören ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung Ihrer Krankheit. Forschungen haben gezeigt, dass Menschen mit Lungenkrankheiten einen besonderen Nutzen daraus ziehen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören.

Unmittelbarer Nutzen
  • Ihre Lungenfunktion verbessert sich und die Kohlenmonoxyd-Belastung geht innerhalb von 24 Stunden auf ein normales Niveau zurück
  • Viele Ihrer Symptome wie Husten, Kurzatmigkeit und Keuchen werden schwächer
  • Wenn Sie unter Asthma oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, reagieren Sie besser auf Behandlungen, einschließlich Bronchodilatoren (Medikamente, die Ihre Atemwege öffnen, damit Sie besser atmen können) und Corticosteroide (Medikamente zur Reduzierung von Entzündungen in den Lungen und Atemwegen)
  • Wenn Sie unter Asthma COPD leiden, werden Sie merken, dass Ihre Krankheit weniger oft aufflammt und dass Sie seltener ins Krankenhaus müssen
Langfristiger Nutzen
  • Ihre Gesundheit verbessert sich insgesamt
  • Sie sind weniger anfällig für Lungeninfektionen
  • Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung verschiedener Krebsarten sinkt, einschließlich Lungenkrebs
  • Wenn Sie Lungenkrebs haben, wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu Komplikationen bei Ihrer Behandlung (z. B. Bestrahlung, Chemotherapie oder OP) kommt
  • Wenn Sie Lungenkrebs haben, wird die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Krebsart geringer, und Sie haben ein geringeres Risiko, dass der Krebs zurück kommt
  • Wenn Sie unter COPD leiden, ist Ihr Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken höher. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, reduziert sich dieses Risiko
  • Ihre Lebenserwartung steigt
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie neue Krankheiten entwickeln oder bestehende wie Herzprobleme, die sich auf das Atmen auswirken, sich verschlechtern, wird geringer
  • Die Verschlechterung Ihrer Lungenfunktion verlangsamt sich

Unmittelbar nachdem Sie mit dem Rauchen aufgehört haben, werden Sie wahrscheinlich eine kurzfristige Verschlechterung Ihres Hustens erfahren, während sich Ihre Lungen erholen. Das sollte sich jedoch nach etwa 4 Wochen wieder bessern, kann manchmal aber auch etwas länger dauern.

Wie wirkt sich das Rauchen auf meine Lungenkrankheit aus?


Das Rauchen verursacht nicht nur viele Lungenkrankheiten, sondern kann auch viele Krankheiten wie Asthma, COPD, Lungenkrebs und Tuberkulose verschlechtern. Durch das Rauchen werden die Lungenfunktionen schnell beeinträchtigt, und das Weiterrauchen kann sich auf Behandlungen, die Sie für Ihre Krankheit verordnet bekommen haben, negativ auswirken. Wir wissen, dass ein komplettes Aufhören statt nur die Reduzierung der gerauchten Zigaretten die einzige Methode ist, wie Sie die kontinuierliche Abnahme Ihrer Lungenfunktion und die Symptome verlangsamen können.

„Durch das Rauchen ist mein COPD viel schlimmer geworden. Ich habe einen Dauerhusten und lebe in ständiger Angst vor einer Lungeninfektion, die tödlich sein könnte. Außerdem kann ich kaum mehr als ein paar hundert Meter laufen, ohne außer Atem zu geraten. Das schränkt mein soziales Leben deutlich ein. Ich habe es jedoch geschafft, meinen Konsum von täglich 40 Zigaretten auf 10 zu reduzieren, und hoffe, nach und nach immer weniger zu rauchen.“

Elaine Morris aus Großbritannien, leidet an COPD und raucht seit 50 Jahren

Woran kann es liegen, dass ich nicht mit dem Rauchen aufhören kann?


Vielleicht wollen Sie nicht mit dem Rauchen aufhören, oder es fällt Ihnen sehr schwer.

Hier sind einige Gründe, die eventuell auf Sie zutreffen:

  • Eine besonders starke Abhängigkeit durch langjähriges Rauchen und/oder eine hohe Zahl von Zigaretten
    pro Tag
  • Das Rauchen ist Teil Ihrer täglichen Routine
  • Ihre Umgebung und Ihre soziale Interaktion, z. B. rauchen eventuell auch Ihre Familie und Freunde
  • Fehlende Willenskraft, Motivation und/oder fehlendes Selbstbewusstsein
  • Isolation und Langeweile
  • Psychische Probleme, z. B. Depression, Stress und Sorgen
  • Der Glaube, dass es nun mit einer Lungenkrankheit sowieso zu spät ist, mit dem Rauchen aufzuhören
  • Sie genießen das Rauchen
  • Sie Erhalten nicht genug Unterstützung durch das Gesundheitssystem
  • Sie erhalten nicht das richtige Medikament oder die richtige Dosis, die Ihnen helfen würde, mit dem
    Rauchen aufzuhören

„Ich musste mit ansehen, wie meine Mutter im Alter von 58 durch das Rauchen starb, und ich rauche trotzdem weiter. Ich habe mit einigen Freunden zusammen aufgehört zu rauchen, habe aber nur fünf Tage durchgehalten. Ich kann drei Wochen lang nicht rauchen, wenn ich im Krankenhaus liege. Dann nehme ich mir immer vor, nie wieder zu rauchen, aber wenn ich dann in den Supermarkt gehe, kaufe ich wieder Zigaretten.“ Elaine Morris aus Großbritannien, leidet an COPD und raucht seit 50 Jahren

Welche Unterstützung kann ich von meiner Gesundheitsfachkraft erwarten?


„Leider ist das Gesundheitssystem wo ich wohne nicht auf Prävention oder Bewusstsein über Tabak ausgelegt. Mir wurde bisher bei keinem Arztbesuch nahegelegt, mit dem Rauchen aufzuhören, und ich habe auch keine Informationen über damit verbundene Kurse oder Workshops erhalten.“

Alejandro Gellego aus Spanien, leidet unter Asthma und raucht seit 34 Jahren

Die meisten Gesundheitsfachkräfte fragen Sie routinemäßig, ob Sie rauchen. Falls sie jedoch nicht fragen, sollten Sie keine Hemmungen haben, es selbst anzusprechen. Ihre Gesundheitsfachkraft sollte Sie einfühlsam und unvoreingenommen zu Rauchentwöhnung beraten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass das nicht der Fall ist, sollten Sie sich überlegen, Ihre Gesundheitsfachkraft zu wechseln.

Als erstes wird Ihnen Ihre Gesundheitsfachkraft einige Fragen stellen. Zum Beispiel wird gefragt, wie lange Sie schon rauchen, wie viele Zigaretten am Tag Sie rauchen, wie schnell nach dem Aufstehen Sie Ihre erste Zigarette rauchen, ob Sie in der Vergangenheit schon einmal versucht haben aufzuhören und wie motiviert Sie sind, mit dem Rauchen aufzuhören. Das ergibt ein Gesamtbild über Ihre Abhängigkeit vom Nikotin und hilft bei der Zusammenstellung der passenden Unterstützung, um Ihre Chance, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören, zu maximieren.

Eventuell werden auch einige kurze Tests durchgeführt, die Ihnen zeigen, welche Auswirkungen das Rauchen auf Ihre Lungen hat. Zum Beispiel werden Sie gebeten, in ein Gerät zu atmen, das die Kohlenmonoxidmenge in Ihrem Körper messen kann, oder man unterzieht Sie einer Spirometrie, einem Lungenfunktionstest, der zeigt, wie gut Ihre Lungen funktionieren. Im nächsten Schritt zeigt Ihnen Ihre Gesundheitsfachkraft, welche Unterstützung Sie beim Aufhören mit dem Rauchen erhalten können, und hilft Ihnen, einen Plan zu erstellen. Hierbei werden Sie ermutigt, ein Datum festzulegen, zu dem Sie endgültig mit dem Rauchen aufhören. Und es werden einige Nachsorge-Termine oder Telefonate vereinbart, um Ihnen eine regelmäßige Unterstützung zu geben.

Was ist der effektivste Weg, mit dem Rauchen aufzuhören?


Die Forschung mit vielen Tausend Probanden hat gezeigt, dass der effektivste Weg, mit dem Rauchen aufzuhören, eine Kombination aus Medikation und Therapie ist.

Medikation

Es ist erwiesen, dass Nikotinersatztherapie (einschließlich Pflaster, Kaugummi, Lutschpastillen, Mikrotabs, Inhalatoren sowie Mund- und Nasensprays) sowie Arzneistoffe zur Bekämpfung von Nikotinsucht, z. B. Vareniclin und Bupropion, Menschen mit Lungenkrankheiten helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Je nach Ihren individuellen Umständen kann Ihnen Ihre Gesundheitsfachkraft eines dieser Mittel oder eine Kombination verschreiben.

Therapie

Es gibt spezielle Einzel- oder Gruppentherapien, die helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Diese Therapien (etwa 4 bis 6 Sitzungen) geben Ihnen Ratschläge und die nötige Motivation, die Sie benötigen, um mit dem Rauchen aufzuhören, u.a. wie man mit Stress und den Nebenwirkungen durch das Nichtrauchen umgeht.

„Als ich endlich mit dem Rauchen aufhörte, ging das nur, weil mir eine Krankenschwester dabei half. Sie hatte nie geraucht, aber sie verurteilte mich nicht. Sie fragte mich, was mir helfen würde, was meine Pläne waren, was ich als nächstes tun würde usw., und unterstützte mich dabei.“

Janet Cowley aus Großbritannien, leidet an COPD hörte nach 44 Jahren mit dem Rauchen auf

Weitere Informationen:


Besuchen Sie die Webseiten Ihrer Krankenkasse, um zu erfahren, wie Ihnen geholfen werden kann, mit dem Rauchen aufzuhören

Dieses Material wurde unter Mitwirkung von Dr. Carlos Jiménez Ruiz, Professor Stefan Andreas, Dr. Keir Lewis, Janet Cowley, Elaine Morris und Alejandro Gellegoerstellt.

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