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Frühgeburt und die Lunge

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kinder, die eine Frühgeburt überlebt haben, gestiegen. Das bedeutet, dass es künftig mehr Kinder und Erwachsene geben könnte, die aufgrund einer Frühgeburt Lungenprobleme haben. Dieses Informationsblatt beleuchtet die Auswirkungen einer Frühgeburt auf die Lunge, aber auch, was man tun kann, um die Auswirkungen der durch eine Frühgeburt bedingten Probleme im Kindes- und Erwachsenenalter zu verringern. Zudem enthält es Tipps für Eltern von frühgeborenen Babys.

Letztes Update 26/04/2021
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Was ist eine Frühgeburt?


Die durchschnittliche Schwangerschaft dauert rund 37-42 Wochen. Wenn ein Baby vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche geboren wird, bezeichnet man dies als Frühgeburt. Vor der 28. Schwangerschaftswoche geborene Babys werden als ExtremFrühgeborene bezeichnet.

75% der Frühchen werden nach 32 Schwangerschaftswochen geboren, die Babys mit den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen sind jedoch jene aus der Kategorie „Extreme Frühgeburt“. Jährlich kommen fast 15 Millionen Baby weltweit und rund 500.000 Babys in Europa als Frühgeburten auf die Welt – das ist jedes Zehnte. Angesichts dieser Zahlen stellen Kleinkinder, die als Frühgeburten auf die Welt gekommen sind, die größte Kinderpatientengruppe Europas dar, und die Frühgeburt ist sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern mittlerweile die häufigste Ursache für Kindstod und Behinderungen.

Gibt es Risikofaktoren in Verbindung mit einer Frühgeburt?


In rund der Hälfte aller Fälle von Frühgeburten ist die genaue Ursache unbekannt. Es wurde jedoch eine Reihe von Risikofaktoren ermittelt, die alle das Risiko verfrüht einsetzender Wehen erhöhen, etwa Schwangerschaftsinfektionen, sehr junge oder ältere Mütter (unter 17 bzw. über 35 Jahren), Rauchen und sogar Passivrauchen.

Von welchen Gesundheitsproblemen könnten frühgeborene Babys betroffen sein?


Im Vergleich zu voll ausgetragenen Babys bergen Frühchen ein höheres Risiko, gesundheitliche Komplikationen zu entwickeln. Je früher ein Baby geboren wird, desto unterentwickelter sind seine Organe, und desto höher ist das Risiko, später gesundheitliche Probleme zu entwickeln. Dazu zählen zerebrale Lähmung, sensorische und motorische Behinderungen, Lern- und Verhaltensstörungen und häufig Lungenprobleme.

Wie hängt eine Frühgeburt mit einer Lungenerkrankung zusammen?


Die Lunge zählt beim im Bauch heranwachsenden Baby zu den am spätesten entwickelten Organen. Das bedeutet, dass, wenn ein Baby zu früh geboren wird, seine Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist, was kurz- und langfristige Gesundheitsprobleme zur Folge haben kann.

Kurzfristige Probleme


Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

Die häufigste Lungenerkrankung, von der frühgeborene Babys betroffen sind, ist eine Erkrankung, die als bronchopulmonale Dyplasie (BPD) bezeichnet wird. Sie kennzeichnet sich durch schnelle Atmung, Kurzatmigkeit, Keuchen und Husten, um mehr Sauerstoff zu inhalieren. Für gewöhnlich entwickelt sich diese Erkrankung dadurch, dass Frühgeburten mechanisch beatmet werden. Das bedeutet, dass Beatmungsgeräte für das Baby atmen, bis die Lunge diese Funktion selbst übernehmen kann. Obwohl dieser Prozess oft lebensnotwendig ist, kann dadurch die Lunge des Babys geschädigt werden und eine Entzündung entstehen, die BPD zur Folge hat . BPD kann eine vorübergehende Erkrankung sein, bei einigen Kindern aber können die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben, wodurch das Risiko für chronische Lungenerkrankungen wie chronischobstruktive Lungenerkrankung (COPD) steigt.

Atemnotsyndrom (RDS)

RDS ist die Hauptursache für den Tod von Frühgeborenen. Es tritt bei Babys auf, deren Lungen nicht vollständig entwickelt sind, und wird vorwiegend durch einen Mangel an Schutzsubstanz ausgelöst. Diese Substanz hilft der Lunge, mit Luft gefüllt zu bleiben, und wenn Babys einen Mangel aufweisen, müssen sie über einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt werden und ein Ersatzmittel für diese Schutzsubstanz erhalten. RDS kann in den ersten zwei Lebensjahren zu einem höheren Risiko für BPD und zu schwerwiegenden Atemwegsinfektionen führen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, später an Asthma zu erkranken.

Respiratory Syncytial Virus (RSV)

Fast alle Babys stecken sich bis zum Alter von zwei Jahren mit RSV an. Bei den meisten Babys, die vollständig ausgetragen wurden, ähneln die Symptome des Virus einem grippalen Infekt. Vollständig ausgetragene Babys werden während der Schwangerschaft von ihren Müttern mit Antikörpern versorgt, die ihnen dabei helfen, das RSV und andere Viren zu bekämpfen. Wenn ein Baby jedoch nur wenige Wochen zu früh geboren wird, erhält es vor der Geburt nicht ausreichend von diesen Antikörpern. Dieser Mangel an Antikörpern, kombiniert mit der Tatsache, dass die Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist, bedeutet, dass eine Frühgeburt den größten Risikofaktor für eine schwerwiegende RSV-Infektion darstellt. Die Symptome des Virus können dauerhaftes Husten und Niesen, hohes Fieber und plötzliche Atemnot umfassen. Wenn Ihr Baby diese Symptome aufweist, ist es wichtig, dass Sie schnellstmöglich Ihren Arzt kontaktieren. Eltern können dazu beitragen, zu verhindern, dass sich ihre Babys infizieren, indem sie ihr Frühchen prophylaktisch gegen RSV behandeln lassen und jene, die in engem Kontakt mit dem Baby stehen, dazu ermutigen, regelmäßig ihre Hände zu waschen, besonders vor dem Kontakt mit dem Baby; auch häufige Reinigung der Spielsachen, der Bettwäsche und Spielbereiche sind wichtig. Sie sollten auch verhindern, dass Personen im Umfeld des Babys rauchen.

Langfristige Probleme


Die Experten sind sich derzeit unsicher über die langfristigen Auswirkungen einer Frühgeburt. Medizinische Fortschritte haben dazu geführt, dass mehr Babys länger überleben, vor allem extreme Frühchen, die heute überleben können. Da es sich hierbei erst um eine relativ neue Entwicklung handelt, konnten die Forscher die langfristigen Auswirkungen einer Frühgeburt auf die Lunge noch nicht bewerten. Es wurden jedoch Forschungen zu den Auswirkungen einer Frühgeburt auf Kinder im Schulalter durchgeführt, die gezeigt haben, dass Kinder, die als Frühgeburten auf die Welt gekommen sind, im Vergleich zu Altersgenossen, die vollständig ausgetragen wurden, im Sport weniger leistungsfähig sind, ein höheres Risiko für allergisches Asthma, eine allgemein verringerte Lungenfunktion und mehr Atemwegsprobleme aufweisen.

Was sind die Auswirkungen dieser gesundheitlichen Beeinträchtigungen?


Wenn ein Baby frühzeitig geboren wird, wird es sofort in eine spezielle medizinische Abteilung für Neugeborene überstellt (Neugeborenen-Intensivstation), um dort von einem spezialisierten medizinischen Team individuelle Pflege zu erhalten. Für Eltern kann dies sehr schwierig sein, da sie so kurz nach der Geburt von ihrem Baby getrennt werden, zusätzlich zu der Tatsache, dass ihr Baby unerwartet früh auf die Welt gekommen ist. Manchmal werden die Eltern nach Hause geschickt, während ihr Baby im Krankenhaus bleibt, oder sie können ihr Baby mit nach Hause nehmen und dort eine Sauerstofftherapie oder sonstige Behandlungen durchführen. Familien, die ein Frühgeborenes pflegen, sind oft mit psychologischen, finanziellen und sozialen Kosten für die Behandlung der langfristigen Gesundheitsprobleme konfrontiert. Die Auswirkungen einer Frühgeburt sind von Land zu Land sehr unterschiedlich, und im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist die Kluft in Bezug auf das Überleben von Babys zwischen Ländern mit hohem Pro-KopfEinkommen und in den ärmsten Ländern noch wesentlich größer geworden. Viele Frühgeburten, vor allem jene, die vor Vollendung der 28. Woche auf die Welt gekommen sind, haben im Erwachsenenalter Gesundheitsprobleme, was für den Betreffenden, seine Familie und die Gesellschaft erhebliche soziale und finanzielle Kosten mit sich bringen kann.

Was kann man tun, um die Auswirkungen von Problemen in Verbindung mit einer Frühgeburt zu verringern?


Plan für die weitere Pflege und Nachsorge

Eine wichtige Verbesserungsmaßnahme bei der Pflege von Frühgeburten mit Lungenproblemen ist die Erstellung eines strukturierten weiterführenden Behandlungsplans sowie eines Nachsorgeprogramms, in dem medizinische Untersuchungen und Nachbehandlung dokumentiert werden. Das bedeutet, dass, wenn ein Aspekt der Erkrankung des Kindes behandelt wurde, dieser Arzt die relevante Krankengeschichte des Babys an die nächste Person weitergibt, die das Baby behandelt. Zudem sollte medizinisches Fachpersonal die Eltern auch durch praktische Anleitung und Schulung zu Hause unterstützen. In einigen Ländern funktioniert dies gut, andere Gesundheitssysteme jedoch haben keinen effizienten weiterführenden Plan erstellt.

Überwachung von Infektionen

Wichtig ist auch die Verbesserung des Bewusstseins über das Risiko von Lungeninfektionen. Wird eine Infektion früh erkannt, ist deren Behandlung wesentlich einfacher.

Bessere Unterstützung für Eltern

Eltern sind oft hilflos, wenn ihr Baby nach der Geburt schwer krank ist. Daher ist es wichtig, dass sie möglichst nützliche Informationen erhalten und an Eltern-Unterstützungsgruppen vor Ort verwiesen werden, um dort Erfahrungen anderer Eltern zu hören. Wenn sich Eltern und Familien unterstützt fühlen, können sie besser mit den möglichen Auswirkungen einer Frühgeburt umgehen. Wenn man unter dem Druck steht, ein Baby zu versorgen, das zu früh geboren wurde, können viele Fragen auftreten und es ist daher wichtig , während dieser Zeit Unterstützung zu erhalten Es gibt Elternorganisationen in ganz Europa, die Unterstützungsnetzwerke und länderspezifische Informationen für Eltern bieten.

Die Europäische Stiftung EFCNI (European Foundation for the Care of Newborn Infants) ist die erste paneuropäische Organisation mit einem interaktiven Netzwerk, die die Interessen von Frühgeburten und Neugeborenen sowie deren Familien vertritt. Sie vereint Eltern, Ärzte und Vertreter verschiedener relevanter Fachbereiche mit dem gemeinsamen Ziel, die langfristige Gesundheit von Frühgeburten und Neugeborenen durch bestmögliche Prävention, Behandlung, Pflege und Unterstützung zu verbessern. Weitere Informationen siehe www.efcni.org

Diese Unterlagen wurden mit Unterstützung von Professor Gunilla Hedlin, Dr. Kajsa Bohlin, Katarina Eglin von Frühgeborene und Experten der European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) zusammengestellt.

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